Diagnose Histaminintoleranz

Die Diagnose einer Histaminintoleranz/Histaminose trifft immer mehr Menschen. Es gibt Prävalenzschätzungen von bis zu 5%, das würde bedeuten, dass jede 20. Person Histamin nicht verträgt. 

Dies würde die Häufigkeit aller Nahrungsmittelallergien zusammen übersteigen. Besonders häufig betroffen sind Frauen mittleren Alters.

 

Trotz der großen Relevanz aufgrund einer komplexen und stark einschränkenden Symptomatik und der weiten Verbreitung, ist das Krankheitsbild der Histaminintoleranz noch relativ unbekannt. Einige scheuen sich auch die Histaminose als Krankheit zu bezeichnen. Dies soll hier allerdings nicht diskutiert werden, jeder sollte sich hierzu seine eigene Meinung bilden können. 

 

Viele Betroffene durchlaufen eine Ärzte-Odyssee, denn ein Arzt, der diese Symptomatik einzuordnen weiß, stellt leider meist eine Rarität dar. So beträgt die Dauer vom Beginn der Beschwerden bis zur Diagnose im Durschnitt 39 Monate*, allerdings bei einer Stichprobe, die überdurchschnittlich stark mit der Internetrecherche vertraut ist. Insgesamt wäre der Zeitraum ohne richtige Diagnose wahrscheinlich noch länger.

 

Eine Umfrage hat gezeigt, dass die ersten Informationen über dieses Beschwerdebild meist über das World Wide Web erworben werden*. Hiermit sei allerdings auf keinen Fall von einem schulmedizinischen Kontakt abgeraten. Eine gute Internetrecherche kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. 

 

 

 


Am ehesten bekommt man in allergologischen Praxen die adäquate Diagnostik und Behandlung. Wer weniger Glück dabei hat die richtige Diagnose frühzeitig zu erhalten, muss sich oft mit Begriffen wie "Reizdarmsyndrom", "Simulation" oder "etwas Psychisches" herumschlagen. 

 

Im ICD-10, dem internationalen Klassifikationssystem der Krankheiten, hat die Histaminintoleranz noch keine direkte Kategorie, sie muss stattdessen unter "T 78.1 Sonstige Nahrungsmittelunverträglichkeit, andernorts nicht klassifiziert" eingeordnet werden.

 

Die Histaminose wird auch als Pseudoallergie bezeichnet, dies soll verdeutlichen, dass die Symptome denen einer Allergie sehr stark ähneln, wobei die Reaktion auf Histamin allerdings nicht über Antikörper vermittelt wird. Differentialdiagnostisch sind also vor allem Allergien, andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten und gastrointestinale Erkrankungen in Betracht zu ziehen. 

 

So kann eine Histaminintoleranz auch gemeinsam mit Nahrungsmittelallergien auftreten, aber typischerweise zeigen sich beim PRICK-Test für Nahrungsmittelallergien keine Auffälligkeiten. 

 

Häufiger ist die Kombination mit anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z.B. Fructose- oder Lactoseintoleranz und Kreuzallergien, wie beispielsweise einer Beifußallergie, bei der der Körper auch auf Kartoffeln, Mango, zahlreiche Gewürze etc. reagiert. Ebenso gibt es weitere Intoleranzen, wie zum Beispiel die Salicylatunverträglichkeit, bei der die Schnittmenge an Symptomen und zu vermeidenden Lebensmitteln mit denen der Histaminintoleranz relativ groß ist. 

Eine Umfrage unter 46 Betroffenen mit Zusatzdiagnose ergab folgendes Bild (Spatz, 2012):

 

 

 


Der Verdacht einer Histaminose lässt sich mit einem Bluttest, einem Urintest, einem Karenztest in Verbindung mit einer gezielten Provokation und an der Wirksamkeit von Antihistaminika, sowie Diaminoxidase-Produkten verhärten. 

Mit einem einfachen Bluttest kann der Histaminspiegel und der Diaminooxidasewert bestimmt werden, die Kosten hierfür werden allerdings in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Ist der Histaminwert erhöht oder erniedrigt und/oder der DAO-Wert zu gering kann dies auf eine Histaminintoleranz hindeuten. Die Aussagekraft dieses Tests ist beschränkt, da die Werte im Tagesverlauf starken Schwankungen unterliegen. Zudem führt eine histaminarme Diät dazu, dass der Histaminwert herunterreguliert wird, so deuten erniedrigte Werte eben genauso auf diese Unverträglichkeit hin wie erhöhte. So können aber theoretisch natürlich auch normale Werte gefunden werden, obwohl die Person unter der Intoleranz leidet. 

Weitere Hinweise im Blutbild geben der Vitamin C- und Vitamin B6-Spiegel, denn Vitamin C unterstützt den Histaminabbau im Körper und Vitamin B6 regt die DAO-Aktivität an, sodass ein Mangel dieser Vitamine die Symptomatik bei Histaminintoleranz verschlechtern kann. 

Ein Karenztest ist eine Auslassdiät über mehrere Wochen, bei der alle histaminreichen Nahrungsmittel vermieden werden; dies kann sich als äußerst schwierig erweisen, denn vor allem zu Beginn der Erkrankung fällt es besonders schwer sich voll und ganz an die Diät zu halten und wirklich alle unverträglichen Nahrungsmittel zu identifizieren, sowie Alternativen zur Hand zu haben. 

Verbessern sich die Symptome unter Karenz, so ist dies ein HInweis für die Diagnose einer Histaminintoleranz. 

Allerdings werden bei einer solch ausgeweiteten Nahrungsmittelelimination, andere Allergene und potenzielle Unverträglichkeitsvermittler ebenfalls in geringeren Mengen verzehrt, sodass dieser Test allein keinen Aufschluss über die wahre Herkunft der Beschwerden geben kann. 
 

Zusätzlich zum Karenztest kann ein Provokationstest angeschlossen werden. Hierbei wird eine histaminbedingte Reaktion des Körpers absichtlich hervorgerufen, indem nach mehrwöchiger Karenz eine doppel-blinde-placebo-kontrollierte Gabe von Histamin in Kapselform erfolgt, d.h. sowohl der Patient als auch der Arzt wissen nicht, in welcher der 2 Kapseln das Histamin enthalten ist. Die Unwissenheit des Arztes dient hier der methodischen Absicherung, denn auch allein das Verhalten eines "wissenden" Arztes könnte eine entsprechende Reaktion bei der Testperson triggern. 

Vor dem Selbsttest sei allerdings gewarnt; man sollte in keinem Fall mit histaminreichen Speisen experimentieren, da die Reaktion individuell sehr stark sein kann und eventuell neu auftretende Histaminsymptome erschreckend sein können. 

 

Um sich der Diagnose Histaminintoleranz sicherer zu werden, kann die Einnahme von Antihistaminika, natürlich nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, ausgetestet werden. Zeigen diese Medikamente Wirksamkeit, so kann dies ein Indikator für eine histaminbedingte Unverträglichkeit sein, allerdings auch für alle Allergien. 
 

Es zeigt sich also, dass die medizinischen Diagnosemethoden leider keine klare Aussage erlauben. 

Zudem erfahren Betroffene oft wenig Unterstützung von ärztlicher Seite, ein Hauptgrund hierfür ist schlichtweg die geringe Bekanntheit der Histaminintoleranz, auch in Fachkreisen. Langsam aber stetig verbessert sich allerdings der Kenntnisstand der Fachkreise und der Allgemeinbevölkerung, was sich an einer vermehrten Anzahl an wissenschaftlichen Artikeln, ärztlichen Weiterbildungen, Magazin- und auch TV-Berichten erkennen lässt.

 

Da man sich selbst und seine Symptome am besten kennt, kann eine gezielte Ernährungsumstellung auf histaminarme Kost, insofern dies noch nicht durchgeführt wurde, zusammen mit einer Dokumentation der verzehrten Nahrungsmittel und erlebten Beschwerden im zeitlichen Verlauf in einem Ernährungstagebuch hilfreich sein, um erste subjektive Schlüsse auf eventuelle Unverträglichkeiten und/oder Allergien zu schließen. Ein gut ausgefülltes Ernährungstagebuch kann ebenso auch dem behandelden Arzt bei seiner Diagnostik behilflich sein.

 

Ist die Ursache der Symptomatik erst einmal gefunden, lassen sich Wege finden, das eigene Wohlbefinden zu steigern. 

 

Da die Histaminintoleranz noch relativ unerforscht ist, kann die Rate der Spontanremissionen hoch sein, d.h. es besteht Hoffnung, dass Histamin und DAO wieder zur Balance finden und sich die Unverträglichkeit in Wohlgefallen auflöst. 


* Ergebnisse der Onlinebefragung auf dieser Website (Spatz, 2012)

 

 

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